Das erste Ma(h)l

Es waren 106 lange Tage! 15 Wochen und einen Tag waren seit unserem letzten Restaurantbesuch vor Beginn der Corona-Kontaktbeschränkungen Mitte März vergangen. Da darf es schon etwas besonderes sein – und es war wieder sehr besonders: Das Restaurant Richard auf der Köpenicker Straße in Berlin-Kreuzberg.

Vor kurzem wurde der Michelin-Stern für Koch Hans Richard bestätigt, aber von Hochnäsigkeit keine Spur. Das Richard ist und bleibt die lässigste unter Berlins fine-dining-Adressen. Die Tische corona-gemäß noch etwas weiter auseinander als früher, somit viel Platz zum entspannten Plaudern während des 5-Gänge-Menüs zu einem für Sternerestaurants entspannten Preis. Ein aufmerksamer, aber nicht aufdringlicher Service. Ein leichter Luftzug durch die geöffneten Fenster gegen zu viele Aerosole. Eine Weinbegleitung, die mit einem 13 Jahre gereiften Pinot Noir aus dem deutschen Riesling-Mekka Rheingau positiv zu überraschen wusste.

Star des Abends aber waren die Saucen – sei es die Boillabaisse-Variante zur Meeräsche, der Mandelfonds zu den Tortellini oder der Koriandersaatjus zum Nebraskarind – aromatisch komplexe Begleiter zu hervorragend zubereiteten Speisen. So wurde unser erstes Mahl nach langer Pause zum umfänglichen Genuss. Aber das hier zu lesen nützt nichts, Ihr müsst es selbst ausprobieren. Wir kommen jedenfalls wieder – und hoffentlich das nächste Mal nicht nach so langer Gastro-Zwangspause!

Für Hirn und Herz

Dass zu dem Café, in dem wir 2011 unsere Hochzeit gefeiert haben, eine besondere Verbindung besteht, verwundert nicht. Aber wir kommen nicht aus Nostalgie immer wieder ins Hadley’s im Hamburger Uni-Viertel. Sondern weil es einfach ein wunderbarer Ort ist – in gleich mehrfacher Hinsicht.

Natürlich ist es ein wunderbares Café, in dem man auf zwei Etagen stundenlang sitzen bleiben kann und lesen, mit Freunden sprechen oder in den hübschen Garten des ehemaligen Krankenhauskomplexes schaut, der vor vielen Jahren in Wohnungen umgewandelt worden ist. Und wenn die Verabredung zu Kaffee und Kuchen viel länger dauert als geplant, bestellt man die wechselnden herzhadften Gerichte von der Wochenkarte und ein Glas aus der geschmackssicher zusammengestellten Weinkarte.

Man merkt durch Atmosphäre und das gastonomische Angebot, bei einer guten Gastgeberin gelandet zu sein. Diese ist Tina Heine, die noch mehr ist als Gastronomin: Gründerin des Elb-Jazz Festivals und Veranstalterin von kleinen, feinen Konzerten. Außerdem lädt sie als Salonniere des Hadley’s Salon, monatlich zu Diskussionen über Wissenschaftt und Gesellschaft ein – wir durften im Februar unser Buch „Lasst uns reden!“ vor- und zur Diskussion stellen. Und so bekommt man im Hadley’s viel für’s Herz – Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen – und für’s Hirn.